Seilschaften verhindern Diversität

Seilschaften_Top-ManagementSpitzenmanager enttarnt Seilschaften in den Chefetagen

In einem Interview mit dem ZEIT-Magazin vom 12.06.2014 gibt kein Geringerer als Thomas Sattelberger, ehemaliger Personalchef der Deutschen Telekom zu Protokoll, dass deutsche Wirtschaftsunternehmen zum überwiegenden Teil ihre Zukunft verspielten. Als Grund macht er aus, dass die Konzerne von männlichen Seilschaften regiert würden, die ständig neue Klone produzierten statt auf Diversität im Personalmanagement zu setzen. Damit wehrt er sich auch gegen ein Effizenz- und Effektivitätsdenken, das Uniformität und Standardisierung zum Leitmotiv erhebe. Vergleiche im Weltmaßstab zeigen nach Sattelberger, dass große Unternehmen Krisen nur dann heil überstanden hätten, ja geradezu gestärkt daraus hervorgegangen seien, wenn zur Problemlösung viele unterschiedliche Meinungen, Wissens- und Erfahrungshintergründe über alle Kulturen hinweg einbezogen worden seinen.

Dazu sei es erforderlich, dass die Unternehmensspitze einen Mut zum Wandel vorlebe, der jedeweder Diskriminierung eine Absage erteile, Unterschiedlichkeit als Wesensmerkmal der Unternehmenskultur herausstelle und eine effiziente Erfolgskontrolle der Diversität vornehme. Sattelberger sieht einen ausdrücklichen Zusammenhang von Ökonomie und Werthaltungen wie z.B. Chancengleichheit. Damit die Werte nicht zu Schlagworten verkommen, bedarf es einer Entlarvung des real, aber wesentlich subtil vorhandenen “Kastensystems”. Gerade die “Aushängeschilder” für Diversität könnten selbiges zementieren, statt zu seiner Überwindung beizutragen.

Sattelberger plädiert schließlich dafür, im Bildungssystem schon frühzeitig eine Wertschätzung von Vielfalt und eine Ächtung jedweder Art von Diskriminierung zu fördern.

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